Samstag, 23. Januar 2016

Liebe misst man nicht in Jahren von Britta Orlowski

Wenn ich seine Nähe spür dann fällt die Zeit wie Laub von mir…

Diese Rezension ist persönlich, ich werde sie in eine „offizielle“ abwandeln, z.B. für das große A. Diese Version hier ist für Britta und so nur hier auf meinem Blog zu finden. 


Dass das Buch für die Autorin ein ganz besonderes Buch ist, weiß ich von ihr persönlich. Sie hat es uns nach einer ihrer wunderbaren Lesungen im Hochsommer auf einer Terrasse an der Havel erzählt. Aus diesem Grund war es auch für mich ganz besonders, dieses Buch zu lesen. 

Betty hat einen ihrer Söhne bei einem Verkehrsunfall verloren, als beide zusammen unterwegs waren. Ben, der große Bruder, gibt sich die Schuld am Tod von Fynn. Fynn war, nein, er IST Bettys Seelenzwilling, sie haben eine besondere Bindung zueinander. Bettys Familie zerbricht an dieser Tragödie, Ben zieht sich zurück und Mattis, Bettys Mann, vergräbt sich in der Arbeit. Betty trennt sich schließlich und zieht, nach einigen Umwegen, wieder zurück nach Bützer, ihre Heimat. 

Dass sie ausgerechnet auf dem Mehrgenerationenhof in Bützer landet, lässt meine Serien-Junkie-Herz frohlocken, denn ich habe die Bewohner in „Land oder Liebe“ sowas von in eben dieses Herz geschlossen!

 





Um mit einem Zitat von Seite 143 (eBook) zu sprechen, welches auch von mir über Britta Orlowskis Bücher sein könnte (im Buch über Bettys Romane, denn sie ist Autorin): „Es sind Liebesromane, aber keine seichten Friede-Freude-Eierkuchen-Schmöker. Es geht um ernste Themen, die heiter verpackt sind.“

Abgesehen von der hochemotionalen berührenden Seite des Buches, in dem es um den Verlust des eigenen Kindes geht, gibt es – was jeder weiß, der schon ein Buch von Britta Orlowski gelesen hat – immer auch noch um mindestens einen Mord oder ähnlich spannende Sachen. In „Liebe misst man nicht in Jahren“ wird eine Frau ermordet, die an dem Unfall von Ben und Fynn beteiligt war. Der Verdacht fällt auch auf Betty und ihre Familie. Da ist aber auch noch dieser entflohene… aber lest selbst!

Niemand kann den Schmerz ermessen, wenn Kinder vor den Eltern gehen, und niemand, wirklich niemand! sollte das erleben müssen. Ich habe Unmengen Taschentücher deswegen verbraucht und mit der ganzen Familie mitgelitten. Man spürt die Liebe zwischen Betty und Fynn beim Lesen, wirklich, sie ist so wundervoll beschrieben, dass sie direkt greifbar ist. Was es noch viel schwerer macht, für Betty und mich als Leser.

Das ist aber nicht das ganze Buch, denn zwischendurch musste ich auch oft herzhaft schmunzeln. Um es mit den Worten des im Mord an der Unfallverursacherin ermittelnden Beamten zu sagen (Seite 88): „...sie schrieb flott leicht, aber keineswegs seicht. Lars entdeckte Warmherzigkeit und Intelligenz zwischen den Zeilen.“
Ich könnte es nicht besser ausdrücken.

Und noch eine Aussage aus dem Buch, die von mir sein könnte (Seite 183, eine Hofbewohnerin zu Betty über das erste Buch, welches sie von Betty gelesen hat): „Der einzige Nachteil ist, dass man sich die halbe Nacht um die Ohren schlagen möchte. Du hast es echt drauf.“

Liebe Britta, du aber auch!
 


Ehrlich, vom Spannungsbogen her war es für mich dein bestes Buch, die Auflösung war irgendwann zu erahnen, trotzdem aber unvorhersehbar. Die vielen kleinen Hinweise, die verwirrten und in die falsche Richtung lenkten, aber immer neugieriger machten. Dazwischen die Schmunzelmomente und die traurigen Momente, in denen ich Betty am liebsten ganz fest in den Arm nehmen und die Unfallverursacherin (natürlich nur im übertragenen Sinne) noch einmal hätte ermorden wollen…

Ich freue mich sehr auf die Strandkorblesung und hey, ich würde auch zu einer Pyjama-Lese-Party kommen! Das ist ja mal eine tolle Idee. 


Und… ich gehe jetzt alle deine Signaturen mit ganz anderen Augen lesen. ♥

Danke für dieses wunderbare Buch! 



Umärmler
Claudia

Kommentare:

  1. Das hast du sehr schön geschrieben. Und du hast mich neugierig auf die Autorin gemacht. Ich muss mich gleich mal über sie informieren.
    Liebe Grüße Karin (aus Werder an der Havel)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Grüße an die Havel, liebe Karin.
      Mit Brittas Büchern kannst du gar nichts falsch machen. Maistöcke, Land oder Liebe und dieses Buch hier werden Heimatgefühle bei dir auslösen :)
      Claudia

      Löschen
  2. hach, liebe Claudia,mir fehlen gerade ein bisschen die Worte, das kommt nicht so oft vor. Danke für alles. Solche Leserin braucht jede Autorin. Danke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ♥ sehr gerne
      ... und ich brauch deine Bücher :)
      LG Claudia

      Löschen
  3. Hallo Schnecki ♥,

    jepp das muss ich lesen, schon gerade auf den Reader gepackt ♥.

    Knustchiii

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jahaaaaaaaaaaaaaaaaa... Schnecki, ich freu mich, dass ich dich angesteckt habe :) Iris hat es sich auch gekauft und du kennst ja ihren Lesegeschmack, eher blutig als liebevoll. Hach... ick freu mir!!! ♥
      Knutschaaaaaaaaaaaaaaaaa

      Löschen
  4. Jepp, und ich hab es gelesen liebe Claudia und stimme Dir in allem von ganzem Herzen zu. Das Buch ist einfach fantastisch. Es ist traurig, lustig und mörderisch zugleich. Ich konnte es nicht aus der Hand legen bis es zu Ende war. Und auch dann noch war ich und bin ich lange in Gedanken noch dabei.
    Lieben Gruß und hab eine gute Woche,
    Thea

    AntwortenLöschen